Hochschule

Vor Beginn der Vorlesungen wird fast immer die Hochschule und Fakultät in einer Einührungswoche bzw. einigen Einührungstagen vorgestellt. Auf der Homepage Deiner Fachschaft, findest Du die Termine. Ich empfehle jedem Erstsemester daran teilzunehmen.

Anfangs ist die Informationsflut besonders groß und es passiert schnell, dass Du Wichtiges nicht mitbekommst: Speichere die Telefonnummern einiger sympathischer Kommilitonen in Deinem Handy ab, die Du bei Unsicherheiten anrufen kannst.

Akademische Veranstaltungen

Bereits während den Einführungstagen fallen viele Begriffe mit denen man anfangs nichts anzufangen weiß. In diesem Abschnitt wirst Du über die wichtigsten akademischen Veranstaltungen und Eigenarten aufgeklärt.

Anwesenheitspflicht

Der Besuch bestimmter Veranstaltungen muss mit Unterschrift bestätigt werden. Es gibt Dozenten, die nachzählen, ob die Anzahl der Unterschriften mit denen der Studenten übereinstimmt, denn manche lassen von Freunden unterschreiben, was immer für Unmut bei den Dozenten sorgt. Je nach Dozent/Fakultät darfst Du einen bestimmten Prozentsatz dieser Veranstaltungen fehlen, meist 10–30 %. Wer häufiger fehlt, egal aus welchem Grund (auch Krankheit), muss die Veranstaltung wiederholen, wobei manchmal Ausnahmen möglich sind.

ECTS

Die Theorie:

Das European Credit Transfer and Accumulation System  (ECTS) soll sicherstellen, dass die Leistungen von Studenten an Hochschulen des Europäischen Hochschulraumes  vergleichbar und bei einem Wechsel von einer Hochschule zur anderen, auch grenzüberschreitend, anrechenbar sind.

(Wikipedia)

Für jede Veranstaltung, die Du besuchst, gibt es Leistungspunkte (LP)/Credit Points (CP).  Ein LP entspricht 25–30 Arbeitsstunden. Pro Semester sollten 30 Punkte erworben  werden, was beim Bachelor nach 6 Semestern 180 Punkten gleichkommt. Trotz des  ECTS ist ein Hochschulwechsel immer mit Problemen verbunden, weil häufig Leistungspunkte nicht anerkannt werden.

Module

Zahlreiche Studiengänge sind modularisiert: Ein Modul besteht i.d.R. aus zwei inhaltlich aufeinander abgestimmten Lehrveranstaltungen und erstreckt sich über 1–2 Semester. Meistens bauen Module nicht aufeinander auf, was den Vorteil hat, dass Studierende anderer Fakultäten nur die Module besuchen können, die für sie nützlich sind.

Zeit

Traditionell beginnen universitäre Veranstaltungen c.t. (cum tempore = mit Zeit), also mit dem berühmten akademischen Viertel. 9:00 Uhr c.t. bedeutet also 9:15 Uhr. Weil das jedoch gerade im Wandel ist, solltest Du beim ersten Besuch einer Veranstaltung nicht von c.t. ausgehen, wenn nichts dabei steht. Die Angabe s.t. (sine tempore = ohne Zeit) besagt, dass die Veranstaltung wie angegeben anfängt.

Vorlesung

Eine Vorlesung ist ein nicht anwesenheitspflichtiger Frontalunterricht, bei dem der Dozent vorne steht und i.d.R. seine Präsentation über Projektor und Mikrofon vorführt. Fragen werden nur selten gestellt. Die Vorlesung ist oft Kernstück einer Klausur, in der der Dozent Vorlesungsinhalte prüfen kann. Nicht wenige Klausurfragen lassen sich nur mit Lehrbüchern oder Fachzeitschriften beantworten.

Seminar

Es gibt große Unterschiede, wie Seminare gehalten werden. Normalerweise sind sie anwesenheitspflichtig, die Teilnehmerzahl klein (was auch immer das bedeuten mag) und verlaufen viel interaktiver als Vorlesungen. Selten ähneln Seminare Vorlesungen. Für gewöhnlich müssen die Seminarteilnehmer selbst einen Vortrag halten, eine Hausarbeit anfertigen und/oder eine Klausur ablegen.

Praktika/Labor

Hier steht das Anwenden des theoretischen Wissens im Vordergrund. Je nach Studienfach versteht man unter Praktikum oder dem Labor etwas anderes. Praktika sind bei Naturwissenschaftlern Versuche, die nach einem Skript im Labor durchgeführt werden. Bei Wirtschaftswissenschaftlern sind Praktika meist Mitarbeit in einem Unternehmen, was auch für Naturwissenschaftler möglich ist. Mit Labor kann ein Sprachlabor, oder auch ein Labor wie man es sich bei den Naturwissenschaftlern vorstellt, gemeint sein. Praktika/Labore werden mit Protokollen wissenschaftlich dokumentiert.

Tutorien

Häufig werden von Diplomanden/Doktoranden oder Studierenden aus höheren Semestern Übungsstunden angeboten. Hier können Studierende Fragen zu Vorlesungsinhalten stellen und diskutieren. Aufgaben werden gemeinsam gelöst bzw. die zu Hause gemachten Aufgaben besprochen. Tutorien können anwesenheitspflichtig sein.

Kolloquium

Kolloquien sind sehr unterschiedlich: In Chemie wird z.B. vor einem Experiment ein Kolloquium (kurz: Kolloque) durchgeführt, währenddessen dem Studenten Fragen über das Experiment/den Tag gestellt werden, die er beantworten muss. Falls er durchfällt, darf er das Experiment nicht durchführen bzw. wird nach Hause geschickt und muss unter Umständen bis zum nächsten Semester warten. In anderen Fakultäten entsprechen Kolloquien Seminaren.

Tischklopfen

In Deutschland ist es Brauch, nach einer Veranstaltung mit den Fingerknöcheln auf den Tisch zu klopfen, um zu zeigen, dass einem die Vorlesung gefiel. Geklatscht wird in Deutschland übrigens nicht bzw. nur von Leuten, die es nicht besser wissen (zu denen Du nun nicht mehr gehörst).

Exkursionen

In Hochschulen ist alles akademisch: Hier heißen die Ausflüge „Exkursionen“. Ein reiner Ausflug ist eine Exkursion jedoch nicht, denn (wer hätte das gedacht) Exkursionen sind recht variabel: Bei Biologen handelt es sich oft um „Ausflüge“ in die Natur, wo Pflanzen und Tiere bestimmt und protokolliert werden. Bei Archäologen geht es zu Ausgrabungen, während bei Sprachwissenschaftlern die Sprache und Kultur im Vordergrund stehen. Fast immer wird die gesamte Exkursion schriftlich dokumentiert.

Klausur

Am Ende von vielen Veranstaltungen steht die Klausur. Bei Nichtbestehen kannst Du bestimmte Klausuren beliebig oft wiederholen, bei anderen ist nur noch eine einmalige Wiederholung (Nachklausur) möglich. Besteht man auch die Nachklausur nicht, wird man entweder exmatrikuliert oder muss einen Härtefallantrag stellen. Wird der Härtefallantrag bewilligt, darf man ein letztes Mal die Klausur schreiben (Ausnahmen möglich). Ob und wie oft ein Härtefallantrag bewilligt wird, hängt vom Einzelfall ab.

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