BAföG

Allgemeines

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist eine staatliche, finanzielle Ausbildungsförderung, die zur Hälfte aus einer Förderung (Geschenk) und zur anderen Hälfte aus einem zinslosen Darlehen besteht, das z.B. bei Behörden als Einkommen zählt.

Die BAföG-Höhe ist von Deiner persönlichen finanziellen Situation abhängig. Eine grobe Berechnung der BAföG-Höhe kann Dir der BAföG-Rechner geben. Den Antrag stellst Du auch im Zweifelsfall im Amt für Ausbildungsförderung Deiner Stadt.

BAföG ist ein sehr komplexes Thema und mittlerweile gibt es ganze Bücher und Internetseiten, die beschreiben, wie Du einen Antrag ausfüllst, was zu beachten ist und welche Rechte Du hast.

BAföG-Empfängern wird praktisch auch immer Auslands-BAföG bewilligt, sofern es einen Grund gibt ins Ausland zu gehen (z.B. Studium). Das Tolle daran: Die Bezugsdauer zählt nicht zur Dauer des „Inlands-BAföGs“. Deshalb empfehle ich allen BAföG-Empfängern unbedingt ins Ausland zu gehen!

Mit dem BAföG-Bescheid kannst Du Dich vom Rundfunkbeitrag befreien lassen, d.h. um jedes WG-Mitglied vom Rundfunkbeitrag befreien zu lassen, sollte sich der BAföG-Empfänger beim Beitragsservice registrieren. Mit jedem neuen BAföG-Bescheid (wenn der alte abgelaufen ist) musst Du Dich erneut vom Rundfunkbeitrag befreien lassen, eine rückwirkende Befreiung gibt es nicht, d.h. wird der Termin versäumt, werden Beiträge fällig. Ebenfalls wäre ein Wechsel zum günstigeren Sozialtarif der Deutschen Telekom möglich, was sich aber fast nie lohnt, da meistens andere Telefon- und Internetanbieter trotzdem günstiger sind.

Antrag

Der Antrag ist hochkompliziert und benötigt zudem sehr viele Nachweise. Deshalb solltest Du keinesfalls erwarten, dass der Antrag kurz nach Abgabe bewilligt wird.
Längere Wartezeiten (z.T. 2-3 Monate) auf eine erste Antwort vom zuständigen Amt und Forderungen von weiteren Nachweisen (mit erneut langen Wartezeiten) sind nichts Ungewöhnliches und eher die Regel. Das ist auch der Grund, warum Du mindestens(!) zwei Monate vorher den Antrag so vollständig wie möglich abgeben solltest. Wenn der Antrag bewilligt wird, hast Du i.d.R. 2 Semester Ruhe.

Fehlende Unterlagen und Unklarheiten sollten für Dich kein Grund sein, den Antrag später abzugeben, denn die Sachbearbeiter listen Dir alle fehlenden Unterlagen auf, die Du Punkt für Punkt abarbeiten kannst.

Die gesetzte Frist, zu der alle geforderten Unterlagen bei der Behörde vorliegen müssen, darfst Du nicht überschreiten! Wenn Du weißt, dass Dir die Zeit nicht reicht, gleich schriftlich mitteilen!

Mitunter kommt es vor, dass Anträge verloren gehen und nie beim zuständigen Bearbeiter ankommen: Lege Deinem Antrag eine an Dich selbst adressierte, frankierte Postkarte bei und bitte um einen Eingangsstempel darauf – so weißt Du zumindest, dass Dein Antrag angekommen ist.

Normalerweise musst Du dem Antrag die Einkommensverhältnisse Deiner Familie (Eltern und in Ausbildung befindliche Geschwister) von vor 2 Jahren beilegen. Du sparst Dir für die kommenden Anträge die aufwendige Recherche in der Vergangenheit, wenn Du gleich auch das Einkommen bis zur Gegenwart für die nächsten Anträge vorbereitest. Meistens genügt der Einkommensteuerbescheid aus den verlangten Jahren.

Wenn sich die Einkommensverhältnisse verändert haben, musst Du dies mit einem Aktualisierungsantrag belegen, den Du den anderen Unterlagen anhängst.

Wenn Deine Familie nicht kooperiert und Dir keine Unterlagen zur Verfügung stellt, kannst Du Vorausleistungen beanspruchen. Hierbei bleiben die Einkommens- und Vermögensverhältnisse vorerst unberücksichtigt, bis es zu einer gerichtlichen Klärung gekommen ist. Solche Fälle verkomplizieren in der Praxis die ganze BAföG Bewilligung nochmals deutlich.

Hinzuverdienst

BAföG-Empfänger dürfen selbstverständlich etwas hinzuverdienen. Die Einkommensgrenze beträgt 400,-€ brutto monatlich bzw. 4.800,-€ für 12 Monate. Bei Überschreitung erfolgt eine Kürzung des BAföGs.

Einkommen ist laut dem Einkommensteuergesetz als „steuerpflichtiges Einkommen“ zu verstehen, d.h. nach Abzug der Werbungskosten, Sonderausgaben und Außergewöhnlichen Belastungen.

Gerade mit der Pendlerpauschale (Teil der Werbungskosten) lässt sich etwas mehr Verdienst realisieren, sofern sie die Werbungskostenpauschale von 1.000,- € übersteigt, ansonsten zählt die Pauschale. Dank der Pendlerpauschale lassen sich 0,30 € pro Kilometer vom Bruttoverdienst abziehen.
Viele, die während eines Ferienjobs wieder in ihrem Elternhaus wohnen, geben illegalerweise ihren Studienort an, von dem sie täglich zur Arbeit pendeln, um eine weitere Strecke geltend zu machen. Sofern die Strecke nicht zu groß ist, ist dies für das Finanzamt glaubhaft. Nicht zu vergessen bei den Werbungskosten ist die (große) Strecke Studienort-Arbeitsplatz, wenn es um das Vorstellungsgespräch ging.

Als nicht einkommensteuerpflichtiges Einkommen zählen u.a.: Stipendien bis zu 300 Euro, Übungsleiterpauschale bis 2.100,-€, Sozialhilfe, Kindergeld, Erziehungsgeld, Sold von Reservisten, Unterhaltsleistungen der Eltern sowie von nicht dauernd getrennt lebenden Ehegatten und Wohngeld.

Jeder BAföG-Empfänger, der Studiengebühren zahlt (Semesterbeitrag sowie Verwaltungsgebühren gelten nicht), erhält zusätzlich einen Freibetrag von bis zu 205,-€ pro Jahr. Verheiratete erhalten gemeinsam einen Freibetrag von 1.070,-€ monatlich (d.h. jede Person kann monatlich 535,-€ verdienen, ohne Änderung des BAföG-Betrags), der sich auf 1.605,-€ erhöht, wenn man ein Kind hat. Für jedes weitere Kind gibt es einen zusätzlichen Freibetrag von 485,-€ monatlich. Durch Freibeträge kannst Du also mehr verdienen, ohne dass Dein BAföG reduziert wird.

Wer ein höheres Einkommen als erlaubt hat, dem wird das BAföG entsprechend gekürzt. Es muss also sehr gut überlegt sein, ob sich eine Kürzung lohnt oder nicht.

Rückzahlung

Die Rückzahlung beginnt i.d.R. 5 Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer bzw. nach Studienabschluss mit vierteljährlichen Raten in Höhe von mindestens 315,-€. Die Rückzahlungssumme ist auf maximal 10.000,-€ beschränkt, wer mehr Darlehen bekommen hat, muss auch nicht mehr zurückzahlen!

Kurz bevor die 5 Jahre nach der Förderungshöchstdauer erreicht werden, wirst Du von der Behörde angeschrieben. Deshalb ist es wichtig, das zuständige Amt darüber zu informieren, wo man gerade wohnt (wer seine Mitteilungspflicht vergisst, zahlt für die Adressermittlung z.Zt. 10,-€).

Die Rückzahlungssumme wird weniger, wenn Du in Deinem Abschlussjahr zu den besten 30% gehört hast, innerhalb der Förderungsdauer (25% Erlass), 6 Monate nach der Förderungshöchstdauer (20%) oder 12 Monate nach der Förderungshöchstdauer (15%) das Studium abgeschlossen hast. Wer 4 Monate bzw. 2 Monate schneller den Abschluss erhalten hat als die Regelstudienzeit vorsieht, zahlt 2.560,-€ bzw. 1.025,-€ weniger. Ein Erlass der Darlehenssumme ist bei einer vorzeitigen Darlehensrückzahlung (5 Jahre nach der Förderungshöchstdauer) ebenfalls möglich, die sich aber nach der Darlehenssumme richtet. Des Weiteren gibt es einen ordentlichen „Rabatt“ für alle, wenn die Summe auf einmal zurückgezahlt wird, wobei der Nachlass von der Darlehenssumme abhängt.

Beachte: Alle diese Nachlasse gelten für die BAföG-Summe, nicht für die maximale Rückzahlsumme von 10.000,-€! Das heißt, wer z.B. 30.000,-€ BAföG erhalten hat, die zur Hälfte aus Darlehen bestanden ist, muss 15.000,-€ zurückzahlen. Wer innerhalb der Förderungsdauer fertig studiert hat, zahlt 25% weniger = 11.250,-€. Wer diese Summe auf einmal zurückzahlt, erhält ca. 30% Nachlass = 7.875,-€. Falls mit allen Nachlässen die Rückzahlsumme über 10.000,-€ bleibt, lohnt sich eine meines Erachtens nur noch die quartalsweise Rückzahlung 315,-€, um zumindest noch von der Inflation zu profitieren – eine schnelle Rückzahlung lohnt sich nicht.

Elternunabhängiges BAföG

Der BAföG-Antrag wird im Hinblick auf Nachweise deutlich leichter, wenn das BAföG unabhängig vom Vermögen der Eltern ist. Hierzu muss aber mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt werden:

  • nach dreijähriger Ausbildung mindestens dreijährige Tätigkeit im Arbeitsleben (bei kürzerer Ausbildungsdauer, längere Arbeitstätigkeit)
  • nach dem 18. Lebensjahr 5 Jahre Tätigkeit im Arbeitsleben (muss nicht an einem Stück gewesen sein; Vollzeit, Teilzeit oder Selbstständigkeit)
  • Alter über 30 Jahre und gleich im Anschluss nach der Hochschulzugangsberechtigung (z.B. Abitur) Studium beginnen
  • Vollwaise

 

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